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JEDERMANN 2016

Miriam Fussenegger als Buhlschaft und Cornelius Obonya als Jedermann am 20.07.2016 während der Fotoprobe des Schauspiels Jedermann ( Hugo von Hofmannsthal ) am Salzburger Domplatz, Salzburg, Österreich


(Pressebilder)   Jedermann ( Hugo von Hofmannsthal ) Salzburger Domplatz, Salzburg, Österreich

Als der Jedermann von Hugo von Hofmannsthal vor 105 Jahren erstmalig gespielt wurde, noch dazu in Berlin im Circus Schumann, in der Regie des Shootingstars Max Reinhardt, jubelte das Publikum und die Kritik schüttelte ungläubig den Kopf.

Man prophezeite dem Werk eine kurze Lebensdauer und bescheinigte ihm literarische und weltanschauliche Nichtswürdigkeit. Das Publikum jubelte weiter und stürmte die bald im gesamten deutschsprachigen Raum stattfindenden Vorstellungen. Dabei ist es geblieben.

Selten hat ein Theaterstück derartig vernichtende Besprechungen ausgehalten und sich gleichzeitig derartiger Beliebtheit erfreut. Ein Wunder gewissermaßen. Oder auch nur eine tiefere Wahrheit des Theaters.

In Salzburg wird der Jedermann seit über neunzig Jahren gespielt, man kann nicht an die Festspiele denken, ohne nicht zugleich den Jedermann zu assoziieren – auch wenn man das Stück nie gesehen hat. Der Jedermann gehört zu Salzburg wie Mozart, böse Zungen würden sagen, wie die Mozartkugeln. Der wirklich große Fritz Kortner ließ sich zu der nicht unkomischen Bemerkung hinreißen, dass im Jedermann die aus aller Welt herbeigeeilten Millionäre erführen, dass eher ein Reicher in den Himmel ginge als ein Kamel durch ein Nadelöhr. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird jedenfalls jede neue Inszenierung zu medialem Unmut führen, aber mit der gleichen Wahrscheinlichkeit ausverkauft sein. Gestern, heute und morgen mutmaßen die Gegner des Jedermann offensichtlich, dass das Publikum entweder zu dumm, zu katholisch, zu anspruchslos, zu konservativ oder alles dies zusammen sei.

Auf die Gefahr hin, als minderbemittelt, frömmlerisch, restaurativ und kenntnislos bezeichnet zu werden, möchte ich bekennen: Ich liebe den Jedermann.

Ja, ich lache manchmal über die Knittelverse und den seltsam gedrechselten Duktus. Ja, ich wundere mich über die Instant-Bekehrung des reichen Mannes, aber in Wahrheit bin ich gerührt. Und so ergeht es, glaube ich, auch dem übrigens völlig heterogenen Publikum.

Der Tod und die Sehnsucht nach einem Sinn und einem Danach sind auf der Hand liegende, aber deshalb nicht zu vernachlässigende Beunruhigungen unseres Lebens. Vielleicht die wesentlichen.

In der vorsätzlichen Naivität des Stückes liegt sein Raffinement. In den vielen, vielen Vorstellungen, die ich gesehen, gespielt und verantwortet habe, hat das Publikum jedenfalls geweint, gelacht und gejubelt. Er ist doch ein Wunder, der Jedermann. Ein Theaterwunder nur, aber immerhin …

Quelle: Sven-Eric Bechtolf (Salzburger Festspiele)

 

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